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Nicht in dem Ton, Madame!

Aktualisiert: 22. Dez. 2023




Wie redest du mit dir selbst

Es gibt Momente, in denen du einkaufen bist, und was vergessen hast. Du kommst nach Hause, bemerkst deinen Fehler, und sagst zu dir: „Boah, du bist so dumm, du hast schon wieder die Milch vergessen! Wie kann man nur so blöd sein? Du hast es dir doch sogar aufgeschrieben, weil du doch eh ein kleines Goldfischgedächtnis hast! Und jetzt? Du hast es trotzdem vergessen. Echt, keiner ist so dumm wie du!“

Na, erkennst du dich?

Wieso reden wir so mit uns selbst?

Meine Mutter hat mich immer „Madame“ genannt, wenn ich was ausgefressen hatte, oder frech war. Vielleicht kennst du es von dir selbst, dass dir gesagt wurde, wie du bist, zu fühlen oder zu sei hast. „Du bist faul!“ – „ein Indianer kennt keinen Schmerz!“ – „Du bist so eine Zicke!“

Von außen lassen wir uns das nicht immer gefallen. Als Kinder wissen wir es nicht anders, denn die Erwachsenen zeigen uns, wie die Welt funktioniert und da muss es ja richtig sein, was sie sagen. Und so sickern die meisten Sätze von Eltern und Bezugspersonen (Lehrern, Großeltern, Freunde der Familie, etc.) immer weiter in uns ein. Bis sie irgendwann zu unserer Wahrheit, zu unserer eigenen, inneren Stimme werden. Nennen wir diese Stimme Horst. Nein? Okay, dann nennen wir sie etwas neutraler den Kritiker. Der Kritiker wird von uns und unserem Leben, den Situationen, die wir erfahren, immer weiter gefüttert. Wie reagierst du heute, wenn dir dein Chef oder eine Frau an der Ampel zu dir sagt: „Boah, bist du bescheuert!“ – Regst du dich auf? Vielleicht. Nimmst du es als Wahrheit an? Wahrscheinlich weniger. Und warum auch? Sie oder er kennt dich nicht, und überhaupt, was nimmt sich die Person überhaupt raus, so mit dir zu reden?!


"Boah bist du bescheuert!!"

Doch mit uns selbst gehen wir hart ins Gericht. Weil wir uns kennen, weil wir Erwartungen an uns selbst haben und weil wir ein bestimmtes Verhalten von uns selbst verlangen. Weil wir immer gesagt bekommen haben, wie wir zu sein haben. Das führt dazu, dass wir uns massiv unter Druck setzen, dass wir immer weiter, besser, größer wollen. Und es führt dazu, dass wir unglücklich werden oder gar erkranken (z. B. an Burnout, Depression, etc.). „Ja aber Bianca, ich bin halt ehrlich zu mir. Bringt ja nichts, wen ich mich selbst in Watte packe“ – wirst du vielleicht jetzt denken. Und zum Teil gebe ich dir recht: Ehrlich mit sich selbst zu sein, ist essentiell, um auch glücklich zu sein und zu wachsen. Aber: Der Ton macht die Musik. Stell dir vor, du schickst ein Kind und es vergisst die Milch. Stell dir vor, da steht ein 10-jähriges Mädchen vor dir, mit großen, angsterfüllten Augen, weil es die Milch vergessen hat. Sagst du exakt das gleiche zu ihm, wie du es zu dir selbst sagen würdest? Ich hoffe nicht (falls doch, schreib mir bitte eine Mail.). Also wenn du es nicht zu dem 10-jährigen Mädchen sagen kannst, warum sagst du es dann zu dir selbst?


"Kannst du es einem 10-jährigen Mädchen sagen? Nein? Dann sag es auch nicht zu dir!"

Wir gehen sehr hart mit uns um. Leider. Auch ich habe diese Erfahrung gemacht und bin dadurch (unter anderem) krank geworden. Ich möchte dir helfen, aus meinem Leben zu lernen, und diesen Fehler zu korrigieren.

Schritt 1: Nimm die Aussage deines Kritikers wahr. Es heißt zwar „wahrnehmen“, aber damit ist nicht gemeint, es als wahr anzusehen. Sondern zu erfassen, es zu erkennen. Erkenne, was dein Kritiker sagt.

Schritt 2: Bedanke dich bei deinem Kritiker. Ja du liest richtig. Bedanke dich bei der Stimme, die dich angreift. Warum? Sein Ziel ist es, dich zu beschützen. Dich in deine Komfortzone halten. Dich der gesellschaftlichen Norm unterzustellen, damit du nicht aus der Gesellschaft gestoßen wirst. Und: Diese Stimme ist auch ein Teil von dir und in dem du dich bei ihr bedankst, kämpfst du nicht gegen sie an, sondern nimmst sie als den Helfer wahr, die sie sein möchte.

Schritt 3: Entkräfte seine Worte. Denke an das kleine Mädchen. Ja und? Jetzt hat die halt die Milch vergessen. Welche Konsequenzen hat es? Einen Kaffee ohne Milch trinken zu müssen? Kein Müsli essen zu können? Egal was es ist: Die Welt wird davon nicht unter gehen. Dann gehst du eben nochmal los oder kaufst bei nächster Gelegenheit eine neue.

Also, beim nächsten Mal, wenn dein Kritiker hart zu dir ist: Bleib locker, er meint es nur gut mit dir.

Deine Bianca

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